Kunsttherapie im Klinikalltag der Kinderonkologie – ist das sinnvoll?

Als Studentin der HKT Nürtingen für Kunsttherapie bin ich seit August letzten Jahres als Praktikantin auf der Station 24d/t/g der Kinderonkologie tätig. Anfangs bin ich einmal wöchentlich, seit Mitte Februar durchgehend im Einsatz im Rahmen meines Praxissemesters. Auf Station und im psychosozialen Team bin ich in meiner Funktion als angehende Kunsttherapeutin sehr gut integriert.

Kunsttherapie auf der KinderonkologieMein kunsttherapeutischer Ansatz ist vorwiegend ressourcenstärkend und rehabilitativ. Den Kindern bietet die Kunsttherapie die Möglichkeit sich kreativ auszudrücken, und in diesem Setting kann eine künstlerische Verarbeitung ihrer akuten Situation Raum finden. Wichtig ist, dass das Unaussprechliche sich in den Bildern auch ohne Worte zeigen darf. „Wenn Worte fehlen sprechen Bilder“.

In diesen Momenten darf die Kunst für sich sprechen. Die Kinder finden für sich in einer geschützten Atmosphäre verschiedene Möglichkeiten des Ausdrucks. Durch die stark belastende Chemotherapie sind diese Kinder und Jugendlichen sehr in ihrem autonomen Entscheidungsprozess eingeschränkt. In der Kunsttherapiestunde ist das Kind der „Boss“, das Kind entscheidet über das zu Gestaltende und dessen Verwendung.

Zumeist arbeite ich mit Kindern alleine. Wenn diese aus medizinischen Gründen das Zimmer nicht verlassen können, kommt das mobile Atelier bestückt mit verschiedensten Materialien, zu den kleinen und großen Patienten ans Bett.

Derzeit besuche ich einen 11-jährigen Jungen zu Hause und gestalte mit ihm in seiner gewohnten Umgebung. Dieses setzt natürlich ein gegenseitiges Vertrauen voraus, welches erst durch eine intensive Begleitung der Kinder in ihrem „Alltag“ auf der Station erarbeitet werden muss. Die kreative Betreuung im häuslichen Bereich besitzt im Gegensatz zum klinischen Alltag auf der Station für mich eine andere Qualität, da ich mehr vom Kind und seinem Leben außerhalb der Klinik erfahren darf.

Kunsttherapie mit krebskranken KindernZu meinen weiteren Projektangeboten zählt auch die Arbeit mit Müttern von der Station, der ambulanten Tagesklinik sowie Müttern, die sich in der Nachsorge bei KONA befinden.
Eines dieser Projekte ist die künstlerische Gestaltung zweier Räume in der Tagesklinik, geplant in enger Zusammenarbeit mit Concetta Tatti (einer ehemaligen Patientin) und mit stationären Patienten durchgeführt.

Die Kinder haben hier die Möglichkeit die Wände als Rahmen für ihre kreativen Werke/Gestaltungen zu nutzen und arbeiten weitgehend selbstständig. Bei einem Patienten und dessen Mutter entwickelte sich ein intensiver Gestaltungsprozess, der auch außerhalb ihrer üblichen Klinik Termine fortgeführt wurde. Sie kreierten eine farblich beeindruckende Sternengalaxie und setzten darauf eine „Gute Besserung“ – Rakete in Reliefform. Der Patient entdeckte für sich eine neue Ressource sich auszudrücken, erweiterte seine Erfahrungen im Umgang mit verschiedensten Materialien und großflächigem Arbeiten und erfuhr dabei eine Stärkung durch den damit verbundenen Erfolg.

Kunsttherapie mit KindernKunsttherapie in der Kinderonkologie dient in erster Linie dem Patienten selbst und hat für mich keinen ästhetischen Ansprüchen zu genügen. Das entstandene Werk ist nicht wie im pädagogisch- künstlerischen Bereich, vorrangig zum Ausstellen geschaffen.
Es ist nicht wichtig, ob das Bild ästhetisch gut aussieht, allein der Gestaltungsprozess des Kindes steht im Vordergrund.
Das bedeutet nicht, dass in der Kunsttherapie keine ansehnlichen Bilder entstehen, ganz im Gegenteil. Lediglich der Umgang mit diesen ist anders, geschützter, da es gerade in Ausnahmesituationen eine therapeutisch gestützte sowie geschützte Begleitung erfordert.

Mein Praktikum endet Ende September, danach beginnt mein Studium, das ich im Juli nächsten Jahres abschließen werde. Das Interesse für die besondere Arbeit in solch außergewöhnlichen (Ausnahme-) Situationen bleibt bestehen, daher möchte ich gerne weiterhin in Kontakt bleiben.

Tanja Mußgiller

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